18. Mai 2009

Mit Jesus im Boot des Lebens

Am vergangenen Sonntag hatte ich die Freude, zur ersten hl. Kommunion meiner Großcousine eingeladen gewesen zu sein - in einer Kirche am Rande des Hochstifts Paderborn, einem Ziegeltempelgemeindezentrum von 1967/68. Beginn der Feier war um 10.00 Uhr. Pünktlich vom Bandleader der Band der Hinweis, doch bitte die Handys auszuschalten. Weil die Band mit Funkmicrophonen arbeitet. Warum auch sonst?!
10.05 Uhr: Einzug im Schneckentempo mit Kreuz, welches längs zur Zugrichtung getragen wurde, Osterkerze, Evangeliar -emporgereckt von der seit 1976 in der Gemeinde tätigen Referentin in Albe mit liturgischem Halstuch-, den Kommunionkindern, Ministranten mit Flambos und einem Priester, der die Arme vor der Brust verschränkt hielt. Dazu Orgelmusik mit Querflöte in einer Stimmungslage, die allenfalls zur Austeilung der Kommunion gepasst hätte. Feiertagsstimmung. 10.15 Uhr: nach dem umständlichen Abstellen der Kommunionkerzen auf dem "Boot des Lebens" beginnt der Gottesdienst mit der Einführung des Priesters, der sich freut, dass alle -Achtung- Kommionkinder (sic!!!) heute zu ihrem Festtag erschienen sind. Ach ja, das im ganzen Gottesdienst gesungene, sog. NGL wurde von einer "Band" unterstützt, deren Mitglieder im Altersdurchschnitt sicher so um die 40 und darüber hinaus lagen. Neues, geistliches Lied?
In der Einführung sagt der Priester, wie wichtig es sei, nun, nach all der Hektik der Vorbereitung, zur Ruhe zu kommen. Erstens war einem nach der Einzugsmusik bereits zum Gähnen, zweitens kamen gerade die Kommionkinder, die der Ruhe vermutlich bedurft hätten, nicht zu derselben. Denn die durften, namentlich von der Referentin aufgerufen, nun zu allen möglichen Gelegenheiten "nach vorn" kommen, um Texte zu verlesen. Zum Kyrie, zur Lesung (die es gar nicht gab), während der Predigt, zu den Fürbitten, zum Tisch decken, zur Danksagung.....
Nicht erst seit 1970 ist es schwierig, lesenden Kindern die Bedeutung eines Microphones zu vermitteln.....
In der Predigt kamen die Vorbereitungen der Kommionkinder an diesem Sonntag zur Sprache. Wann seid ihr denn aufgestanden? Wann habt ihr denn euer Kleid angezogen? War Tante Thea mit den dicken Lippen auch da? Vorbereitungen auf die Kommion? Beichte, Gebet usw.?
Nach dem Tischdecken gab es einen nahtlosen Übergang in die Präfation (ohne Salutation), deswegen bemühte sich die Gemeinde auch erst zum Sanktus gaaaaanz langsam von ihren Plätzen. Eigenartig, zum Sanktus das einzige, traditionelle Lied (Fest soll mein Taufbund war ja umgedichtet), ein Schubert-Heilig, sogar mit beiden Strophen. Ausgerechnet dieses Lied muss im Kreis um den Tisch (es wurde ja von Tisch decken gesprochen) mit Referentin und Tischmüttern und Pastor getanzt werden.
Im Hochgebet aus irgendeiner Kirche fiel auch noch auf, dass die "Band" ihr "Wir preisen Deinen Tod, wir glauben, dass Du lebst" genau zwischen den Buchstaben Ge und h von "Geheimnis des Glaubens" postierte. Das erinnerte mich doch sehr an die Singgruppe von Frau Noruschat.
Ups, und plötzlich hatten alle Kinder ihr Brot gegessen, hat auch gar nicht weh getan. War schon witzig, den Priester mit umständlichen Verrenkungen den Tabernakel, der ja nun im Boot stand, benutzen zu sehen!
Ein gemeinsames Dankgebet?
Von guten Mächten wunderbar......umgetextet von der Referentin. Noch nicht mal solche "Schnulzen" sind den "Mächten" noch heilig.
Ein Dankwort gab es aber noch, vom PGR-Vorsitzenden. Mit Dank an alle Beteiligten, incl. großem Klatschen. Gelogen hat er auch. Er hat nämlich behauptet, dass sich alle 3000 Gemeindemitglieder über die Kommion freuen würden. Ich behaupte, das mindestens 50% noch nicht mal wussten, dass an diesem Sonntag Kommion war.
Weil es immer noch nicht genug ist, und die erste hl. Kommion sowieso nicht Segen genug ist, bekamen sämtliche Kommionkinder (nachdem die Kerzen wieder umständlich vom Boot genommen werden mussten) noch einen Einzelsegen von Priester und Referentin. Und dazu wieder Langeweile mit Orgel und Querflöte. Erst als die Prozession die Kirche verlassen hatte, schmetterte die Orgel ein wenig.
Jeder so, wie er mag. Aber karrikiert sich hier die heilige, römische Kirche nicht mal wieder gewaltig selbst?

9 Kommentare:

Stanislaus hat gesagt…

Wenn das alles nicht bitterer Ernst und leider in vielen Gemeinden übliche Praxis wäre, würde ich jetzt lachen oder zumindest schmunzeln. Ich habe solch eine Karrikatur selbst bei der Erstkommunion meines Patenkindes im "gut-katholischen" Westfalen (Paderborner Hochstift) erlebt.

Es muß noch viel geschehen, bis die deutsche Lehmann-Kirche allmählich ausgestorben ist.

Aber diese Lehmann-Kirche präsentiert sich ja im Augenblick alles andere als tolerant.

Deus semper major hat gesagt…

Um tolerant zu sein, müsste man die eigenen Grenzen kennen. Und die überschreitet die Lehmann-Kirche doch so gerne - im Stil eines guten, westfälischen Schützenumzuges mit Fahnenschmuck und Tschingderassa.

Tiberius hat gesagt…

Ich kann das gar nicht glauben.

ad Tiliam hat gesagt…

Gibbet nich dattet sowwat gibt.
Un dat heute noch!

dilettantus in interrete hat gesagt…

Und dann: Kommionkinder.
Es heißt natürlich: - Kommionskinder!

Tiberius hat gesagt…

Lol!

Deus semper major hat gesagt…

Näää Herr Dilettantus, da gibbet ein gräfliches Kurhaus. Die Stadt hat Kultur. Da sacht man nicht Kommionskinder!

Aber hat er Kommion oder Kommjon gesagt? Blöde Akustik...

Stanislaus hat gesagt…

Aber gerade die ist doch für die nachkonziliare Sprechliturgie in solchen Seelenbungalows geradezu ideal.

GEMA zum Oahnazzt!

Deus semper major hat gesagt…

Näää, der Schuppen is viel zu zerklüftet, da kommt nich viel an vonne Stimme von Herrn Pstor..